Feinstaub lange unter den Teppich gekehrt

Freitag, 1. April 2005

Feinstaub - lange unter den Teppich gkehrt

Feinstaub - lange unter den Teppich gekehrt

Hamburg, 31.03.2005: Dieselruß, eine unangenehme "Überraschung"? Nein, schon 1992 hatte Greenpeace mit seinem Luftmessbus "Rudi Rüssel" die Luft in Kindernasenhöhe gemessen und seitdem immer wieder die Verringerung speziell der Feinstäube aus Dieselautos gefordert. Denn Dieselruß ist lebensgefährlich! Neue Brisanz erlangt das Thema in diesen Tagen, wo alle Welt von den Feinstaubgrenzwerten der EU redet.

Und warum haben wir nicht schon längst Filter in allen Dieselautos? Genügend Zeit ist inzwischen verstrichen - und tausende Menschen wegen der fehlenden Filter gestorben.

Doch das scheint vielen der Industriebossen und Politikern ziemlich egal zu sein. Jüngstes Beispiel: der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander ließ sich zu der Äußerung hinreißen, den Einbau von Dieselrußfiltern nicht staatlich fördern zu wollen, da man "ja auch nicht bessere Bremsen bezuschusst".

"Herr Sander zieht nicht nur untaugliche Vergleiche, seine Stellungnahme zeugt auch von erheblicher Inkompetenz oder gar von Zynismus", kommentiert Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte bei Greenpeace. "Denn die 65.000 Menschen, die jedes Jahr in Europa durch hohe Feinstaub-Belastung vorzeitig sterben, haben nicht die Wahl zwischen Krankheit und besserer Technik."

"Sie haben sich nicht dafür entschieden, dass die zwölf Millionen Diesel-PKW, Busse und Lkw, die ihre Wohnstraßen mit tonnenweise Dieselruß und anderem Staub belasten, dies ohne jede Auflage und ohne Filter tun dürfen. Dafür sind andere verantwortlich. In erster Linie Politiker vom Schlage des Herrn Sander, die sich seit über einem Jahr die Verantwortung für ihre Untätigkeit gegenseitig zuschieben", so Lohbeck weiter.

Ein Blick zurück ...
Auch als Peugeot und Citroën im Jahr 2000 als erste mit ihren Dieselfiltern auf den Markt kamen, pusselten und frickelten die deutschen Autobauer lieber an der Weiterentwicklung ihrer Motoren. Diese sollten eines schönen Tages einmal ohne technischen Zusatz fast rußfrei werden. Aber inzwischen starben weiter tausende von Menschen.

In Deutschland bunkerte die Industrie. Die Autohersteller erklärten zudem das Nachrüsten von Filtern in Alt-Wagen für völlig unmöglich. Greenpeace ließ daraufhin vom Rheinisch Westfälischen TÜV in Essen einen gebrauchten Mercedes C 220 CDI mit einem Rußfilter "von der Stange" nachrüsten. Seit September 2002 läuft der Wagen: Der Anteil der Rußteilchen in seinen Abgasen ist auf ein Fünftausendstel gesunken. Auch nach hunderttausend Kilometern funktioniert die Technik einwandfrei.

Seit 1999 protestierten Greenpeacer vor den Werkstoren aller großen deutschen Autoproduzenten und forderten den Einbau von Dieselrußfiltern. Unterstützt wurde die Forderung von so genannten Dieselschweinen: Drei quietschrosafarbenen Diesel-Autos mit Schweinerüssel und -ohren. Damit erschien Greenpeace auch zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) 2003 in Frankfurt/Main.

Total-Versagen der Politik
Mitte Juli 2004 ein kurzer Lichtblick: Nach einem Treffen mit Vertretern der deutschen Automobilindustrie, kündigt die Bundesregierung Steuervorteile für Neuwagen mit Dieselrußfilter ab den 1. Januar 2005 an. Doch der 1. Januar kam und er ging - doch es passierte nichts. Stattdessen ging ein unsägliches Politikspektakel über die Bühne: Bund und Länder erklärten jeweils die andere Seite für zuständig und warteten darauf, dass dort Entscheidungen getroffen würden. Und währenddessen starben weiter Menschen an den Folgen des Dieselrußes.

"Deutschen Städten drohen in diesem Jahr Fahrverbote und Straßensperrungen, wenn die EU-Grenzwerte von Feinstäuben in der Luft an mehr als 35 Tagen überschritten werden", warnt Lohbeck. "Die Hälfte der Feinstaubausstöße stammen von Dieselfahrzeugen. Aber die Gemeinden müssen letztlich nur die Untätigkeit der Politik und die aktive Verhinderungsstrategie der Autoindustrie ausbaden. Schon angesichts dieser Fakten - ganz abgesehen vom Gesundheitsaspekt - ist es unverantwortlich, mit der steuerlichen Förderung von Dieselrußfiltern weiter zu warten."

Im Zentrum des Problems stehen jetzt aber nicht die Neufahrzeuge, sondern die gesamte Flotte der auf den Straßen fahrenden Dieselautos. "Es geht in allererster Linie um die Nachrüstung von 12 Millionen Fahrzeugen. Sie müssen schnellstens mit Filtern ausgerüstet werden. Bund und Länder sind gemeinsam in der Pflicht, dies durch Steuervergünstigungen sowie durch gesetzliche Festschreibung eines verbindlichen Grenzwertes umzusetzen", fordert Lohbeck.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite: "Dieselruß und Gesundheit"


Autor: Greenpeace e.V.

Quelle:
http://www.umweltjournal.de/fp/archiv/AfA_politik/8189.php

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